Yuniel Delgado Castillo

Yuniel Delgado Castillo (Havanna, Cuba 1984)

Studium und Abschluss (2011) an der San Alejandro National Academy of Fine Arts in Havanna, Kuba 

Einzelaustellungen .
2020 La llegada del hombre común, Sapere Aude Gallery, Copenhagen, Denmark.  
2019 Giudizio Universale, Tibaldi Arte Contemporanea, Rome, Italy.  
2019 Selección de obras, HAV coffee and Art, Havana, Cuba.  
2019 Maiorum, Centro Provincial de Artes Plasticas, Havana, Cuba.  
2019 Effugium, Del castillo Art Studio, Colaterales XIII Bienal de la Habana.  
2017  Hominium, DNasco Gallery, La Haban Cuba•   
2015 Evolutio, Miami Art Connection. Miami, Florida•   2011 The Whims (Los Caprichos), San Alejandro Art Academy in Havana, Cuba.   
2006 Drawings for Cuban Dance Event, Pro Dance Center. Havana, Cuba.

Art Fairs.
2020 Art Herning, Copenhagen, Denmark.
2019 XII Florence Biennale, International Exhibition of Contemporary Art and Design, Italy
Der kubanische Künstler Yuniel Delgado, der derzeit in Madrid lebt und als Enfant terrible der neuen kubanischen Malerei gilt. Nach seinem Abschluss mit Auszeichnung an der San Alejandro Academy of Fine Arts (2011) im Fach Malerei gelang es ihm, sich einen angesehenen Ruf in der kubanischen Kunstszene innerhalb und außerhalb der Insel zu verschaffen. Seine wichtigsten Tugenden sind die Ehrlichkeit und Leidenschaft, mit der er dem Malen und dem Malen selbst gegenübersteht.
Diejenigen, die ihn kennen, können von einer vulkanischen und unglaublich sauberen Subjektivität sprechen, die nicht aufhört zu arbeiten und zu jeder Zeit großartige Werke zu produzieren.Sein rastloser Charakter und seine affektive Veranlagung gegenüber dem Medium haben ihn zu einem enorm vielseitigen und muskulösen Künstler gemacht. Daher seine ständigen Erkundungen im Bereich verschiedener Techniken, Träger und Sprachen wie Gravur, Skulptur, Installation und Zeichnung, die die Grammatik der Malerei sind, in der er seine ganze Kraft zur Schau stellt.
Von Beginn seiner Karriere bis heute hat er seine Berufung für große Formate deutlich gemacht, was sich auf die Vorahnung wichtiger Wand- und Installationsprojekte ausgewirkt hat, darunter Umweltskulpturen und sogar einige andere performative Gesten, die sie bescheinigen Engagement und die Komplizenschaft mit der ästhetischen Tatsache selbst, auch jenseits jeglicher gesellschaftlicher Zustimmung.
Er hat während (und angesichts) des kreativen Prozesses, der ihn zu großer Emanzipation führt und ihn in eine ethische und emotionale Komfortzone mit sich selbst versetzt, immer extreme Freiheit manifestiert. Spontaneität ist zweifelsohne eine seiner Stärken und wird gleichzeitig zu einem unumstößlichen Schlüssel zum Verständnis seiner Methodik und Arbeitsweise. Meistens – oder fast immer – verzichtet er auf Skizzen oder frühere Ideen, damit sie das Verhältnis der Sauberkeit (nicht kontaminiert) behindern können, das zwischen dem Akt des Herstellens und der leeren Leinwand eingeschlossen ist.
Wie die anderen Künstler lässt er sich von der Obsession leiten, nach seinem eigenen Stil zu suchen und die klassifikatorischen und reduktionistischen Grenzen der Kunst im Allgemeinen zu erweitern, um auf eine echte, sensible und wahrheitsgemäße Produktion zu verzichten. Etwas, das ohne den geringsten Zweifel mit großer Anstrengung und etwas weniger als beneidenswerter Hartnäckigkeit erreicht wurde.Bereits als Student an der berühmten Akademie hatte er 2006 seine erste Einzelausstellung im Centro Pro-Danza und erregte mit dem respektlosen Erscheinungsbild seiner Arbeiten die Aufmerksamkeit der Kritiker.
2013 reiste er im Rahmen einer Kollektivausstellung in der Aicon Gallery in New York in die Vereinigten Staaten. Zeitgleich mit dieser Ausstellung hielt er weitere Präsentationen, bis er nach Boston zog, um als Künstler ein Studio zu eröffnen.
Trotz des Erfolgs und der Projekte zwang ihn das schlechte Wetter, sich in Südflorida niederzulassen, wo er im Dezember 2014 seine eigene Werkstatt-Galerie eröffnete. Er hatte das Glück, damals für das Stipendien- und Auftragsprogramm von nominiert worden zu sein die Cisneros Fontanals Art Foundation (CIFO) in Miami. Er erhielt außerdem Residenzprogramme und Gruppenausstellungen in Napoli, Italien, im Jahr 2016, im Pam Museum und in Kopenhagen, Dänemark, im Jahr 2019. Darüber hinaus hielt er Vorträge über seine Kunst in der Roberson Art Gallery des Staates Pennsylvania Universität. Er nahm mehrfach an Auktionen und Kunstmessen teil, ua in Florenz und Dänemark.
Seine Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, insbesondere in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Kanada, Italien, Spanien, Russland, Portugal, Luxemburg, Costa Rica und in anderen Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas..
Weitere Künstler

Abendessen, Geheimnis und Religion (cena, Misterio y Religion)   - 2021
Oil on Canvas / 120x150cm

Chips des Lügners (Papitas Liars) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm 

Gehen wird endlos (caminar se hace interminable)   - 2021
Oil on Canvas / 300x200cm

Aussterben ist keine Option (Extinguirse non es una opción) - 2021
Oil on Canvas / 150x130cm 

Steif (Agarrotado) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

Arten Prozessor ( procesador de especies)  - 2021
Oil on Canvas / 240x200cm

kommerziell (comercial) - 2021
Oil on Canvas / 180x180cm

innerhalb der Auslöschung erscheint eine Fiktion (dentro de la extinción una ficción aparece)   - 2021
Oil on Canvas / 250x150cm

einwerfen (en reparto)  - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

Frühstück mit der Erwähnung (Desayunó con el Mention) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm 

Träume von Louis Vuitton (soñando con Louis Vuitton) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

Die Fantasie des Mannes (Fantasía del Hombre) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

an der Boje befestigt (Atado a la boya) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

Viktorianisch (Victoriana) - 2021
Oil on Canvas / 200x200cm

Rede Hajo Schiff zur Ausstellung von Yuniel Delgado  bei heissingArt

Vision und Kritik

So phantastisch seine Bilder mitunter wirken – für den Künstler Yuniel Delgado Castillo ist Malerei vor allem ein Instrument der Befragung der Realität und der Identität. Und zwar zuerst für sich selbst. Sich selbst ein Bild machen: Umgangssprachlich ist das abstrakt geworden, für den Künstler aber ist Malerei eine praktische Methode, im aktiven, oft spontanen Dialog mit der Leinwand sich über die Welt klar zu werden. „Creando – Pensando – Fabulando …“ beschreibt Yuniel Delgado seinen Prozess der Bilderstellung. Es ist ein Erfinden durch die Malerei selbst, ein kreativer Vorgang im dynamischen Machen. Diese Bilder kommen durch die Kraft der Kunst auf der Leinwand zum Leben und nicht aus einem politischen oder sozial wohlmeinenden Anliegen, das dann ein wenig künstlerisch illustriert wird, wie es leider jetzt sooft in der Kunst der Fall ist, besonders auf der ganz und gar misslungenen, fast kunstfreien aktuellen documenta in Kassel.Aus dem oft schnell und obsessiv gemalten und trotz seiner Jugend bereits umfangreichen Werk Yuniel Delgados Castillos hat der Galerist Heinrich Heissing für die Ausstellung „Balance der Koexistenz“ eine spezielle Werkgruppe herausgesucht: Es sind Bilder, die die Relation von Mensch und Tier betreffen – teils eher kritisch, teils magisch-religiös, wie bei dem Paar in „Abendessen, Geheimnis und Religion“ (auf der Einladungskarte verwendet). Unser Verhältnis zu Tieren ist sehr ambivalent: Wir lieben sie und wir essen sie. Wir arbeiten mit Ihnen – früher mehr als heute – und wir züchten sie, schützen sie oder rotten sie aus – je nachdem.  Es ist eine Mischung aus Wertschätzung und Dominanz. Wilde Raubtiere werden bewundert, lieber aber unter Kontrolle gehalten.  Fast eine zweite Welt bildet das Universum der Erzählungen, das um die Tiere gesponnen wurde. Da gehen die Hasen zur Schule, die Mäuse machen amüsanten Unfug, die Enten werden Milliardäre und die Löwen Könige. Wir spiegeln die Gesellschaft und unsere Wünsche auf die Tiere und verwenden umgekehrt unseren Eindruck von ihnen zur Beschreibung unserer Welt. Manche Tiere gelten manchen als heilig und manche Tiere werden sogar in den Himmel unter die Sterne projiziert. Mit Tieren als Akteuren lässt sich gut fabulieren.So auch hier. Eine Ausstellung von Bildern ist immer auch ein Theater, eine Arena, eine Erzählung nicht nur in den Bildern, sondern auch zwischen den Bildern. Gegeben wird hier eine illustre Versammlung von Wesen: Verschiedene zivilisierte Vogelmenschen; als bedrohter Bedroher ein aggressiver, doch nackt an der Garotte gefangener Wolf; ein sich selbst verzehrendes leckeres Iberico-Serrano-Schwein; ein Panda, der mit einem Teddy spielt; zeitungslesende Insekten oder ein vom Tode bedrohten Dammhirsch auf einem Laufband … es zeigen sich ungehorsame Vermischungen, verwirrend oder auch märchenhaft. Solchen Verwandlungsgeschichten lauschten wir einst als Kinder mit Interesse und unbezweifelnder Phantasie.Es könnte um eine posthumane Erweiterung gehen, nicht technisch gedacht sondern metaphorisch in Gemeinschaft mit der Natur und ihren Wesen. Oder vielleicht etwas weniger weit um Bild gewordene Vorstellungen von Tiereigenschaften zur Charakterisierung von Menschentypen? Oder doch um die Ahnung, ein Werwolf zu sein? Das Motiv permanenter Transfiguration über den Traum hinaus ist in der Pop-Kultur, im Comic oder in der Gamer-Szene so gegenwärtig, dass es schon fast real scheint. Jedenfalls gibt es ganz real die Tendenz, abgeschlossene Identitäten sozial und psychologisch kritisch zu sehen, traditionell blockhafte Selbstkonstruktionen  zu öffnen und alle Menschen als multiple Wesen zu verstehen – und zwar in positivem Sinne: ICH IST EIN ANDERER.Kunsthistorisch sind solche Zusammenfügungen disparater Elemente, solche lustvollen Regelverstöße, seit der Renaissance als Capriccios bekannt. Und auch der Surrealismus hatte daran große Freude. Eine schöne der möglichen Herleitungen des Begriffs Capriccio kommt von Cabo Ricco, was sich ja auch auf einen „Reichen Kopf“, eine kreative Phantasie des die akademische Ordentlichkeit sprengenden Künstlers beziehen kann. Und bei den keineswegs nur spielerischen Capriccios ist sicher vor allem Goya zu nennen, schließlich sind auch Yuniel Delgados Bilder ja bei aller leuchtenden Farbpracht durchaus meist gesellschaftskritisch. Aber eben undogmatisch, voller Ambiguitäten und Paradoxien…Es klingt nett, wenn das Tier vermenschlicht wird, es klingt weniger nett, wenn gesagt wird, der Mensch vertiert. Wie überhaupt sind denn die hier zu sehenden Figuren zu definieren? Der menschliche Anteil scheint zu überwiegen, aber die Ausdrucksstärke der Tierköpfe ist präsenter. Und nur die wenigsten Menschen haben Flügel. Es sind also keine Masken, die die Akteure des Weltendramas da tragen. Eher ist eine traumhafte Mischwelt imaginiert, in der schon bisher ganz praktisch lustige Schweinchenfiguren für das Sonderangebot des Schlachters werben und seltsame chinesische Bambusfresser mit einer brillenartigen Augenzeichnung hemmungslos verniedlicht und kommerziell verwertet werden. Und manchmal wird es bei Yuniel Delgado durchaus drastisch: Am Fließband der Fleischverwertung begutachten im weißen Kittel die Schweine das Menschenfleisch. Evolution verkehrt.Doch in diesen Mensch-Tier-Relationen stecken auch weiterführende allegorische Bedeutungen. Manchmal geben die Bildtitel einen Hinweis, mitunter findet sich Schrift im Bild selbst. Im „Die Phantasie des Mannes“ betitelten Bild wird der Traum des Grillmeisters zum Albtraum des Rindes, wobei erstaunlicherweise die Bildstimmung eher positiv bleibt.Die Rattendame im weißen Kleid vor violettem Hintergrund ist als „Viktorianisch“ betitelt – es könnte in dem so schön passenden Kolorit auch ein Hinweis auf den gefräßigen Charakter des britischen Empires sein. Allerdings sind Zuordnungen von Eigenschaften an einzelne Tiere auch stark kulturell geprägt und durchaus ambivalent. Bei uns durchwegs böse und Krankheiten bringend (wie die Große Pest), wäre in Asien die Ratte ein eher positives, schlaues, ehrliches und kreatives Tier – übrigens auch das Reittier des HinduGottes Ganesha … und dann wäre die vornehme Dame vielleicht eher eine ratgebende Rätin als eine Rättin (– auch wenn solches Wortspiel im Spanischen nicht möglich wäre).Der vermutlich amerikanische Adler frisst die Chips eines farblich zitierten Großkonzerns, hier mit dem von LAYER nur leicht veränderten Namen LIAR, was nun aber Lügner heißt. Kaum möglich, nicht an die politische Lage in den USA zu denken. Oder das Riesenrind, vielleicht so etwas wie ein rötliches „Goldenes Kalb“, symbolisch aufgesockelt auf einem Paket von AMAZON PRIME: Es trägt den Titel „einwerfen“. Hier scheint sich was umzukehren: Nicht eine Sendung wird eingeworfen, es scheint als sei dies ein großer Tresor, in den Geld einzuwerfen ist, damit das größte Weltwarenhaus und seine elektronische Dienstleistungsfirma immer und immer reicher und mächtiger werden.Der mythische, sonnensuchende  Ikaros, hier als ein halber Riesen-Albatros dargestellt, ist an eine Boje gebunden. Doch die Verankerung ist so klein, er könnte sie auch mit davon tragen.  … Und das ist eben das Tröstliche an der Mehrdeutigkeit der Bilder: Es liegt im Auge der Betrachter, ob hier ein Scheitern zu erwarten ist oder eine Befreiung.„Mich interessieren mehr die Zweifel, als die Sicherheiten“ sagt Yuniel Delgado. Ohne Zweifel: So entstehen wichtige und gute Bilder und mit Sicherheit sind diese Arbeiten eine gute Anlage. 

Hajo Schiff © 27. August 22

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